Die Chronik des Faschingsverein Oy e.V.

Im Ort Oy, der damaligen Gemeinde Mittelberg, fand nach mündlichen Überlieferungen der erste Faschingsumzug in den Jahren zwischen 1885 und 1890 statt. Das Thema dieses Umzuges lautete damals „Handwerk und Phantasiepersonen“.

Im Jahre 1950 wurde die erste Chronik über den Fasching in Oy geschrieben. Wie der Chronist Alois Landerer in seinem Vorwort feststellt, ist die Tradition des Faschings in Oy im Jahre 1950 schon 70 Jahre alt. Neben der Organisation des erwähnten Faschingsumzuges wurde vor dem 1. Weltkrieg regelmäßig eine „Altweibermühle“ im Fasching aufgestellt und betrieben.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden wieder viele Veranstaltungen und Darbietungen während des Faschings durchgeführt. Erwähnt werden in der Chronik die Faschingsumzüge, die unter verschiedenen Themen als Motto stattfanden:  „Das deutsche Handwerk“, „Das deutsche Lied in Wort und Bild“, „Die vier Jahreszeiten“ sowie „Deutsche Sagen und Märchen“.

Die Umzüge fanden am Gumpigen Donnerstag in Oy, am Faschingssonntag in der Nachbargemeinde Nesselwang sowie am Faschingsdienstag in der Nachbargemeinde Wertach statt. Als Eigenheit ist zu erwähnen, dass bis zum Jahre 1939 die Organisation des Oyer Faschings der „Ledigenverein“ vornahm. Dieser Verein allein hatte das Recht, Faschingsveranstaltungen durchzuführen, sowie den Faschingsumzug zu organisieren. Es wird aber in der Chronik erwähnt, dass die ganze Ortschaft Oy bei den Faschingsumzügen mitgeholfen hat.

Eine erwähnenswerte Veranstaltung in den zwanziger und dreißiger Jahren war der „Ledigenball“.  An diesem Ball durften sich nur „nichtverheiratete“ Frauen und Männer vergnügen. Hier wurde streng darauf geachtet, dass sich keine Verheirateten im Saal befanden.

In der relativ jungen Geschichte des Oyer Karnevals entflammte der 2. Weltkrieg, in dem keiner mehr daran dachte, dass es wieder einen Oyer  Fasching geben würde. Nach den bitteren Jahren des Krieges gab es zwischen 1945 und 1950 zaghafte Versuche, wieder einen Faschingsumzug zu organisieren. Diese Versuche wurden aber von der Militärregierung durch ein striktes Verbot erstickt.

1950 wurde dann beschlossen, die Tradition der Oyer Faschingsumzüge fortzusetzen. Ein Problem für den Neubeginn war die Wahl eines Prinzen Karneval. Unter den schon spärlich erschienenen Versammlungsteilnehmern lehnten alle die Wahl zum Faschingsprinzen ab. Nach gutem Zureden erklärte sich Theo Allgayer bereit, dieses Amt anzunehmen. Das Motto für den Umzug wurde aus dem Jahre 1930 kopiert: „Das deutsche Lied in Bild und Spiel“. Die Versammlung war begeister von diesem Thema und so wurde sofort mit der Organisation begonnen. Mit der praktischen Durchführung des Mottos gab es aber Schwierigkeiten, und so wurde am Gumpigen Donnerstag der erste Faschingsumzug nach dem 2. Weltkrieg unter dem Motto „Buntes Allerlei aller Völker und Rassen“ abgehalten.

Eine sehr große Anzahl von Zuschauern staunte und applaudierte dem gelungenen Umzug. Der Chronist schloss sein Protokoll für das Jahr 1950 mit dem Satz: „Der Anfang nach einer schweren Zeit ist gemacht, hoffen wir, dass es in Frieden und Freiheit weiter geht.“

Bis zum Jahre 1953 wurden in jedem Jahr Faschingsumzüge unter verschiedenen Themen durchgeführt. Die Resonanz bei den Zuschauern war  jedesmal hervorragend. Die Deutsche Bundesbahn setzte sogar von Kempten nach Oy Sonderzüge ein, um Zuschauer nach Oy zu bringen.

Bis zum Jahre 1957 fanden dann keine Umzüge mehr statt, da sich niemand mehr fand, das Amt des Faschingsprinzen zu übernehmen. Als 1957 Paul Gebath sich bereit erklärte, das Amt des Prinzen zu übernehmen, konnte wieder ein Faschingsumzug unter dem Motto „Was bringt das Jahr 2000?“ organisiert werden. 5000 Zuschauer besuchten in Oy den Umzug. Ebenso fielen die Oyer Narren in der Kreisstadt Kempten mit dem Prinzenwagen ein, besetzten das Finanzamt und warben für den Faschingsumzug in Oy.

Faschingsumzüge wurden bis zum Jahre 1962 durchgeführt. Bei der Versammlung des Faschingsvereins 1963 wurde beschlossen, keinen Umzug mehr durchzuführen. Es fehlte an Aktiven, die sich bereit erklärten, sich hier zu engagieren. Mit dem Faschingsumzug 1962 wurde die Tradition der Umzüge in Narroyen beendet.

Von nun an wurde der Fasching in Narroyen in den Saal verlegt. Es wurde in jedem Jahr ein Prinzenpaar inthronisiert, eine Prinzengarde trainiert und das närrische Recht verkündete ein Hofmarschall. Der Faschingsverein veranstaltete Bälle und wurde auch zu vielen Vereinsbällen eingeladen. Die immer höheren Kosten des Faschings (Gage für Musiker, Gebühren usw.) und die Enge des Rößle-Saales brachten den Verein in eine Krise. Trotz großer Bemühungen des Elferrates musste der Oyer Fasching 1981 komplett ausfallen.

Mit dem Bau eines Kurhauses und des dazugehörigen Saales begann für den Oyer Fasching 1985 eine neue Ära. Der Elferrat formierte sich neu und für die Faschingsbälle wurde ein abwechslungsreiches und buntes Programm geboten. Doch Faschingsbälle wurden, wie überall in der Region, immer schlechter besucht, und so stellte sich dem Elferrat die Frage, wie es mit dem Oyer Fasching nun weitergehen soll. 1992 fasste der Elferrat den Entschluss, eine Narrensitzung zu veranstalten. Mit viel Arbeit und einer großen Anzahl von Mitwirkenden wurde ein vierstündiges Programm geboten, und der bis auf den letzten Platz gefüllte Kurhaussaal war begeistert. Diese Narrensitzungen werden nun seit dem Jahre 1992 jährlich veranstaltet und erfreuen sich einer solchen Beliebtheit, dass diese Sitzungen insgesamt dreimal während des Faschings stattfinden. Durch diese Narrensitzungen bekam der Oyer Fasching neuen Schwung und konnte wieder festen Tritt fassen.

Der Oyer Faschingsverein hat einen festen Platz im Kulturleben der Gemeinde Oy-Mittelberg und ist bestrebt, die Tradition des Faschings in Oy weiter zu betreiben und mit immer neuen Impulsen zu versehen. Der Faschingsverein Oy ist mittlerweile ein eingetragener Verein und Mitglied im Regionalverband Bayerisch-Schwäbischer Fastnachtsvereine.