18.09.2007 03:05 Uhr Allgäuer Zeitung

Singen, lachen, mahnen

Narrensitzungen in Oy-Mittelberg begeistern mit einem bunten, heiteren Programm

Oy-Mittelberg (mr). Aus 1000 Kehlen klingt es bei den drei Narrensitzungen stundenlang: „Fasching in Oy - ahoi!“ Und so lässt sich das, was sich da im Saal des Kurhauses abspielt, auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Es herrscht Begeisterung pur. Einfach Jubel, Trubel, Heiterkeit. Anmutige, tänzerisch flotte und teils akrobatische Auftritte der Gardemädchen wechseln mit deftigen theatralischen Einlagen.

Wobei es immer wieder köstliche Anspielungen auf „drei Grundelemente“ der Menschheit gibt: Geld, Macht und Erotik. Kommt noch die - allerdings zur Schau gestellte - Dummheit dazu. Und so lösen die komischen Geschichten, wie sie von Wendelin Höllisch und Faschings-Präsident Alfons Guggemoos meisterlich beherrscht werden, wahre Beifallsstürme beim Oyer Publikum aus.

Elferrat Thomas Wollny bleibt es indessen vorbehalten, in die „Niederungen“ der Politik einzudringen. Schnell schafft er den Spagat zwischen „Berliner Mülltonnengesetzen“ und „Wechselspielen im Oyer Rathaus“, wobei dort langsam niemand mehr auf der Ersatzbank sitze.

Fast genüsslich stellt er fest, dass der „Wolfgangsee“ neben dem Kurhaus wesentlich kleiner als geplant ausgefallen sei - mit der Folge, dass der Tretbootverleih des See-Namensgebers wohl kein Thema mehr sei.

Dem neuen Bürgermeister bescheinigt Wollny unterdessen die feinste Form der „Gemeinderats-Gehirnwäsche“, nämlich die Kraft der Argumente. Allerdings schränkt der Elferrat sarkastisch ein: „In einem Jahr kann man sich normal noch nicht so viel Feinde schaffen wie in drei Amtsperioden.“

Einer Frau was auszutreiben, das sei so, als wolle man einen Ziegelstein in einen Flaschenhals drücken. Zu diesem Fazit gelangt jedenfalls der (von Monika Fischer hervorragend gemimte) Isidor. Sein Bemühen scheitert, die eigene „Lady“ von einem München-Besuch abzuhalten. Und da geschieht genau das, was Isidor befürchtet: Seine „bessere Hälfte“ kommt ihm auf die Schliche und entdeckt seine rotlichtigen Streifzüge.

Kernige Rhetorik benutzt auch „Radkäppchen“ Gerhard Blenk. Seine Wortspielchen sind (fast) so amüsant wie die von Komiker Willi Astor („He du Maz-da“).

Auffallend stark ist diesmal die Jugend auf der Oyer Faschingsbühne vertreten. Da begeistern zum Beispiel die „Jungen Faistenoyer“ mit ihrem Sketch aus einer Arztpraxis. Dort gibt es einen „eingebildeten Kranken“, der nur die attraktive Arzthelferin im Auge hat. Was fürs (weibliche) Auge tut die männliche Landjugend, die bei ihrem Bademantel-Auftritt blitzartig ihre gut gebauten Körper zeigt. Gejohle jagt durch den Saal, Luftballone platzen und schließlich laden die „Allgäuer Bergvagabunden“ dazu ein, das arg ramponierte Sitzfleisch auf dem Parkett wieder zum Leben zu erwecken.